Paddle 4 Nature

Daniela Kohler liebt das Wasser. Nirgendwo spürt sie ihre Verbindung mit der Natur so intensiv, wie wenn sie auf dem Stand-up-Paddleboard steht. Doch sie sind längst nicht mehr zu übersehen, die Risse im Paradies, verursacht von unvorstellbaren Mengen an Müll im Wasser. Aber Daniela ist keine, die wegschaut. Wo immer sie mit ihrem Paddleboard unterwegs ist, sammelt sie Müll ein – und lädt bei „Paddle 4 Nature“-Trash-Pickups auch andere dazu ein.


Daniela Kohler Trash-Pickups Bodensee

Eine lange Vorgeschichte in kurzen Worten: Es war ein schöner Tag Ende Mai 2016, an dem eine innere Stimme Daniela Kohler sagte: „Nein. Das ist nicht das, was du willst.“ Vor Kurzem erst hatte sie mit ihrem damaligen Lebenspartner Mathias Tschögl das „Surfmax“ in Hard übernommen und Tag und Nacht für diesen Traum gearbeitet. Doch dann kamen die Zweifel. Es folgte die Trennung und ein Aufbruch zu einer Reise zu sich selbst.


Paddle to purpose


Diese Reise begleitete die Filmemacherin anfangs mit der Handy-Kamera. Was als eine Art Video-Tagebuch begann, entwickelte sich über drei Jahre zu einer Dokumentation über das Suchen und Finden von sich selbst und darüber, durch innere Heilung den Sinn des Lebens zu begreifen. Der Titel: „Paddle to Purpose.“ Die Resultate dieser Reise sind vielschichtig. Daniela ist persönlich daran gewachsen, hat sich beruflich als Storytellerin und als Creative Consultant für Social-Impact-Branding etabliert – und sie folgt ihrem Wunsch, mit dem, was sie liebt, etwas zu bewegen: Mit ihrem Stand-Up-Paddleboard sammelt sie Müll, wo immer sie ist: am Bodensee, auf den Philippinen oder in Portugal.


Pickups statt Promis

„Trash gesammelt habe ich immer schon“, erzählt Daniela mit ihrem charmanten Akzent. Dass die Weltenbürgerin mit philippinischen und österreichischen Wurzeln sich in letzter Zeit vermehrt darauf konzentriert, in Vorarlberg Bewusstsein für die Müllproblematik zu schaffen, liegt unter anderem auch an Corona. „Eigentlich standen im Februar 2020 eine Reihe von Filmfestivals um den ganzen Globus auf dem Programm, bei denen ich den Film zeigen und über das Thema sprechen wollte“, fährt sie fort. Als das aufgrund der Pandemie nicht mehr möglich war, hatte sie eine andere Idee: „Paddle 4 – Purposeful Adventures“! Den Anfang machte sie mit „Paddle 4 Nature“ – Trash-Pickups auf dem Stand-Up-Paddleboard (SUP).


Umgesetzt hat Daniela den ersten „Paddle 4“-Trash-Pickup im August 2020 mit ihrem Ex Mathias, mit dem sie inzwischen eine enge Freundschaft verbindet, und in Zusammenarbeit mit der Stadt Bregenz. „Wir haben den Müll eingesammelt und sortiert und die Stadt hat die Abholung und Entsorgung im Bauhof organisiert.“ Auch am Rohrspitz und im Harder Binnenbecken war Daniela schon zum Trash-Pickup mit ihrem SUP unterwegs. Und wenn andere Aktivistinnen und Aktivisten in ihrer Community zum Müllsammeln aufrufen, ist sie, wann immer es geht, ebenfalls mit dabei. „Für mich ist das mehr als ein Hobby“, sagt Daniela. „Es geht darum, zusammen zu wachsen und gemeinsam etwas zu bewegen. Und einfach darum, einen schönen Tag am Wasser zu verbringen – bei dem man sich auch noch für die Natur engagieren kann.“


Protect the privilege


Wo sie früher den Druck verspürt hat, andere Menschen dazu zu bringen, selbst aktiv zu werden, konzentriert Daniela heute ihre Energie lieber auf das, was bereits im Gange ist. „Oft bekomme ich Nachrichten von Menschen mit Fotos von dem Müll, den sie gerade gesammelt haben. Dann weiß ich: Ja, es bewegt sich etwas.“


Auch mit ihren Filmen geht es voran: Aus dem ersten Film wird eine Trilogie. Die Dreharbeiten für den zweiten Teil „Protect the Privilege“, bei dem es um die Trash-Pickups geht, sind abgeschlossen. Präsentiert wird der Film voraussichtlich im Frühjahr 2022. Ein dritter Film ist ebenfalls bereits in Arbeit. „Dass möglichst viele Menschen das Privileg darin erkennen, wie gut wir leben, und Dankbarkeit dafür entwickeln, das würde ich mir wünschen“, fasst Daniela abschließend zusammen. „Denn dann fühlt sich das  Übernehmen von Verantwortung nicht mehr nach Pflicht an, sondern wird zu Purpose – und zum Geschenk an uns selbst.“


„DASS MÖGLICHST VIELE MENSCHEN

DAS PRIVILEG DARIN ERKENNEN,

WIE GUT WIR LEBEN,

UND DANKBARKEIT DAFÜR ENTWICKELN,

DAS WÜRDE ICH MIR WÜNSCHEN."

Daniela "Dee" Kohler


Daniela Kohler, paddletopurpose.com


Geschichte aus: B’sundrig – das Sutterlüty Magazin, Nr. 101 (Juli/August/September 21)

Text: Carmen Jurkovic-Burtscher

Fotos: Daniela Kohler





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