Ein Ort zum Wohlfühlen

Einfach reinkommen und sich wohlfühlen. Gut essen, gut trinken und mit Freunden eine schöne Zeit verbringen. Mit dem Restaurant Weiss in Bregenz haben Milena Broger, Theresa Feurstein und Erik Pedersen einen Ort geschaffen, an dem all das für alle möglich ist. Auf einem Niveau, das selbst verwöhnte Gaumen begeistert. Wir haben Milena und Erik zum Interview getroffen.


Milena und Erik, ihr beide seid sowohl geschäftlich als auch privat Partner.

Klappt das gut?

Erik: Wir haben zwei Saisonen im Kadeau in Bornholm miteinander gekocht und letzten Winter waren wir zusammen im Klösterle in Lech. Zusammen zu arbeiten ist also für uns beide nicht neu. Unser gemeinsames Ziel ist es, das, was wir gestern gut gemacht haben, heute ein bisschen besser zu machen. Milena pusht mich und ich pushe sie. Das bringt uns gemeinsam weiter.


Milena: Unser Privat- und Arbeitsleben sind momentan eins. In dem Ausmaß, in dem wir beide arbeiten, geht das gar nicht anders – wir würden beide, glaube ich, keinen anderen Partner finden, der das mitmacht (lacht). Es ist eine sehr, sehr gute Symbiose. Und es ist ja nicht so, dass wir einfach hier arbeiten. Wir verwirklichen mit dem Weiss unseren Traum.

"WIR VERWIRKLICHEN

MIT DEM WEISS

UNSEREN TRAUM."

Milena Broger


Wie seid ihr nach Bregenz und zum Weiss gekommen?

Milena: Angefangen hat alles damit, dass Theresa das Gefühl hatte, es fehlt ein Platz in Bregenz, an dem man auch zu späterer Stunde noch gut essen kann, wo man sich gemütlich mit Freunden treffen und sich einfach wohlfühlen kann. Als sie erfahren hat, dass sich hier etwas tut, hat sie sich mit den Eigentümern und dann mit Martin Fetz von friendship (Anm.: die Macher von FAQ Bregenzerwald) in Verbindung gesetzt und ihn gefragt, ob er jemanden kennen würde, der für dieses Projekt in Frage käme. Zu der Zeit war für uns gerade alles offen. Wir wussten, wir wollten noch eine Sommersaison in Bornholm machen und dann etwas Neues wagen. Unter anderem war ein längerer Aufenthalt in Asien im Gespräch. Ich hatte schon länger das Bedürfnis, einen Ort zu haben, der unserer ist, und dort ein konstantes Netzwerk aufzubauen. Für uns wäre der Aufenthalt also Open End gewesen. Doch dann kam der Anruf von Martin Fetz, und dann auch gleich einer von Theresa. So haben wir uns kennengelernt und das Ganze ist ins Rollen gekommen.


War es für euch von Anfang an klar, dass ihr das Angebot annehmen wollt?

Milena: Wir waren sehr angetan von dem Projekt, von Theresas Ideen und von ihrer Einstellung an sich. Wir haben uns dann zusammen mit Theresa mit dem Hausbesitzer getroffen und uns die Räumlichkeiten angeschaut. Da kam dann die Ernüchterung. Das war alles alt, düster und drückend, mit ein bisschen Farbe wäre es nicht getan gewesen. Unsere Begeisterung für das Projekt war geweckt, aber machen wollten wir es nur, wenn sich hier grundlegend was ändert. Und das ist dann ja auch passiert, mit Hilfe von NONA Architektinnen, Nora Heinzle und Anja Innauer.



Ihr seid schon nach kurzer Zeit als Team sehr gut eingespielt. Wo liegen eure Gemeinsamkeiten, und worin unterscheidet ihr euch am meisten?

Erik: Wir sind alle drei grundverschieden. Das ist das Schöne an dieser Konstellation. Wir bringen alle unterschiedliche Fähigkeiten mit, die wirklich gut miteinander harmonieren. Wir machen alle das, worin wir am besten sind.


Milena: Wir beide sind sehr ambitioniert in der Küche. Und Theresa liegt das Gastgeben im Blut. Das ist ihre Leidenschaft und sie macht das auf eine sehr natürliche, lockere, aber trotzdem noble Art. Was uns auch sehr entgegenkommt, ist ihr Background aus anderen Branchen und ihre strukturierte Arbeitsweise. Keiner von uns könnte das hier alleine machen.



Ihr beschreibt das Weiss als „einfach“. Wie ist das gemeint?

Milena: „Einfach“ heißt im Weiss so viel, als dass man bei uns auch ohne Reservierung einfach reinspazieren kann. Wir haben zwei Barbereiche, an denen man sich tummeln kann. Man kann aber auch einen Tisch reservieren, wenn man nur was trinken möchte. Wenn dann doch der Hunger kommt, kann man immer noch was bestellen. Bei uns gibt’s auch spät abends noch etwas zu essen. Da muss man nicht lange überlegen: Haben sie noch was oder haben sie nichts mehr. Unsere Gäste sollen bei uns genau das bekommen, wonach ihnen gerade ist: gutes Essen, guten Wein und gute Gesellschaft in legerer Atmosphäre.


Um eure Art zu kochen auf den Punkt zu bringen, wäre „einfach“ allerdings das falsche Wort. Wie passt eure anspruchsvolle Küche in dieses Konzept?

Milena: Ich würde sagen, das Essen im Weiss ist sehr neu für Vorarlberg. Mit Geschmäcken, die es in dieser Kombination sonst nicht gibt. Die Techniken sind nicht immer die einfachsten, aber für den Gast ist es unkompliziert. Die Gerichte sind von der Größe und vom Preis her so konzipiert, dass man sich, wenn man möchte, quer durch die Karte probieren kann. Uns ist es ein großes Anliegen, unsere Art zu kochen für alle zugänglich zu machen, die gutes Essen lieben, und nicht nur für die, die es sich leisten können.


Wie wollt ihr, dass eure Gäste sich fühlen, wenn sie im Weiss waren?

Milena: Sie sollen am liebsten gleich nochmal reinkommen wollen. Unser Gäste sollen das Gefühl haben, das Weiss ist ein Ort, an dem sie willkommen sind, wo man gerne wiederkommt und sich das auch leisten kann. Wir wollten einen Ort für Bregenz und die ganze Umgebung schaffen, an dem man so sein kann, wie man ist, und wo man sich wohlfühlen kann.


Erik: Was wir am Ende des Tages wollen, ist, dass wir Leuten Essen und Wein servieren und ihnen damit ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Wir wollen eine Atmosphäre zum Wohlfühlen erzeugen. Mit dem Essen natürlich, aber auch mit dem Licht, der Musik, den Öffnungszeiten, mit dem ganzen Konzept. Es ist ein Gesamtpaket.



"WIR WOLLEN EINE ATMOSPHÄRE

ZUM WOHLFÜHLEN ERZEUGEN.

MIT DEM ESSEN NATÜRLICH,

ABER AUCH MIT DEM LICHT, DER MUSIK,

DEN ÖFFNUNGZEITEN, MIT DEM GANZEN KONZEPT.

ES IST EIN GESAMTPAKET."

Erik Pedersen


Aus: B'sundrig – das Sutterlüty Magazin, Nr. 95

Interview: Carmen Jurkovic-Burtscher

Fotos: Angela Lamprecht

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